Die Scheinanlage Brasilien - Bomber über Lauffen

Ein Projekt der Künstlergruppe Begleitbüro SOUP mit dem Museum Klosterhof Lauffen a.N.,

Zeitzeugen und Schülern.

Dauer der Ausstellung:

15. Mai bis 25. Juni

 

Eröffnung:

15. Mai, 11 Uhr

Museum im Klosterhof

Klosterhof 4

74348 Lauffen am Neckar

 

 

Die unter dem Decknamen "Brasilien" zwischen 1940 und Anfang 1943 nordwestlich von Lauffen am Neckar betriebene "Scheinanlage" sollte den nachts einfliegenden britischen Bombern die Stadt Stuttgart vorgaukeln und sie zum Abwerfen ihrer Bomben veranlassen. Zu diesem Zweck waren auf dem "Großen Feld" zwischen Lauffen, Nordheim und Hausen zahlreiche Attrappen aufgebaut worden.

 

Das Bild, das sich den Flugzeugbesatzungen der Royal Air Force bei ihren nächtlichen Anflügen vom vermeintlichen Stuttgart bot, darf man sich ungefähr so vorstellen: Westlich der beiden Neckarschlaufen, die eine große Ähnlichkeit mit denen bei Stuttgart-Bad Cannstatt aufweisen, zeigte sich ein teils Weichenlaternen und Eisenbahnsignale, teils Straßenlampen vorspiegelndes Lichternetz, in dessen Zentrum sich der Umriss des Stuttgarter Hauptbahnhofs abzeichnete. Elektrische Blitze vermittelten den Eindruck fahrender Straßenbahnen. Weit verstreut auf den Feldern befanden sich große, von innen beleuchtete "Gebäudekomplexe" sowie zwei runde "Gaskessel" und mehrere Backsteinfundamente, die so präpariert waren, dass sie nach Bombenabwürfen auf dramatische Weise in Flammen aufgehen konnten. Diese nächtliche Szenerie war weiträumig eingefasst von einem Gürtel aus Scheinwerferbatterien und Flugabwehrkanonen, die bei Feindanflug sofort tätig wurden deren 2cm-Leuchtspurgeschosse beim verantwortlichen Luftgaukommando "Lockfeuer" genannt wurden.

 

Dieses inszenierte Nachtbild von Stuttgart war den Bewohnern der umliegenden Ortschaften, wenn überhaupt, nur in einer weitaus weniger spektakulären Form ansichtig: als ein aus verstreuten Gebäude-Fragmenten kaum zusammenhängend erlebbares Konstrukt, das sich dennoch tief ins Gedächtnis eingegraben hat. Ungeachtet oder gerade wegen seiner Kulissenhaftigkeit? weiter...